KJS STORY-THINKLETTER #1 | Routine ohne Wiederholung

STORYTELLING FOR FILM AND TV
Fragen aus dem Story-Consulting

»Ich möchte zeigen, dass ein Ehepaar jeden Abend dieselbe Routine hat. Aber wie mache ich das, ohne den gleichen abendlichen Ablauf in mehreren Szenen zu wiederholen?«

Oft folgen Filmschaffende dem naheliegenden Impuls, Routine und Alltag durch gleiche, sich wiederholende Szenen abzubilden. Das bringt nicht nur Langsamkeit und Redundanz in den Film, sondern ist auch erzählökonomisch gar nicht notwendig. Es gibt kreative Tools, Routine ohne Wiederholung darzustellen

In dem Familiendrama Kramer vs. Kramer (1979) erkennt das Publikum anhand einer einzigen Szene, dass Vater und Sohn im Laufe der Zeit eine gemeinsame Frühstücksroutine entwickelt haben:

Der Sohn deckt zwei Teller, während der Vater zwei Becher und noch ein Glas für den Jungen hinstellt. Der Sohn belegt beide Teller mit Donuts, während der Vater beiden Orangensaft und dem Jungen noch dazu Milch einschenkt. Beide lesen ihre Frühstückslektüre: der Vater Zeitung, der Junge Comic.

Gemeinsame Routine erkennen wir hier nicht durch Szenen-Wiederholung, sondern durch die sich ergänzenden Arbeitsschritte, ohne auch nur einen einzigen davon miteinander abzusprechen.

Eine Möglichkeit also, Alltagsroutine in einer einzigen Szene zu zeigen, ist durch selbstverständliches Nicht-Absprechen bei komplexen, ineinandergreifenden Arbeitsschritten eines konkreten gemeinsamen Rituals. Schön daran ist zudem, dass uns dieses Ritual auch gleich Konkretes über die Figuren selbst erzählt.

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